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Die Deutsch-Indische Gesellschaft e.V. Aachen: 1989 bis 2020

Am 7. September 1989 wurde die Aachener Zweiggesellschaft der Deutsch-Indischen Gesellschaft e.V., die ihrerseits seit Anfang der 50er Jahre in allen großen Städten Deutschlands vertreten ist, gegründet. Seit vielen Jahren ist die Aachener Gesellschaft selbständig. In den jetzt 25 Jahren ihres Bestehens wuchs die Aachener Gesellschaft stetig dank eines abwechslungsreichen und sehr regen Gesellschaftslebens. Regelmäßig finden sich die in Aachen und Umgebung lebenden indischen Familien zusammen mit vielen deutschen Freunden, die sich für Indien interessieren, für seine Geschichte und großartige Kultur, aber auch für die 3. Welt-Problematik und vor allem für das moderne Indien mit seinen zukunftsträchtigen Technologien. Immer verstand sich die Aachener Gesellschaft als ein Forum des Gedankenaustausches, der Information und der Kontakte von Menschen mit Engagement für den Subkontinent. Bei einer Vielzahl von Veranstaltungen und Aktivitäten im kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und persönlichen Bereich und mit regelmäßigen Mitgliederreisen, inzwischen in alle Welt, versuchen wir, dieses Ziel zu verwirklichen. Vieles haben wir in den mehr als drei Jahrzehnten erreicht. Einige Aufgaben und Herausforderungen warten aber noch in der Zukunft auf uns: Die Verjüngung der Mitglieder, die Konsolidierung des Mitgliederstamms, der Versuch der Ausdehnung über die benachbarten Grenzen hinweg in den niederländischen und belgischen Grenzbereich sowie verstärkte Kontakte in den Köln-Düsseldorfer Raum, die Intensivierung und Festigung der Jugendarbeit, die weitere Professionalisierung bei der Planung und Realisierung unserer Vorhaben unter Einsatz der modernen Kommunikationssysteme u.a. Zur Zeit belegen um die 330 Mitglieder und ein großer Freundeskreis die Bedeutung unserer Gesellschaft als bilaterale Begegnungsstätte. Auf Bundesebene ist die Deutsch-Indische Gesellschaft Aachen die größte ihrer Art.
 
1.
Wenn man auf die Aktivitäten der Gesellschaft in der Vergangenheit eingeht, ist zunächst ein umfangreiches kulturelles Programmangebot herauszustellen. Neben indischem Tanz und indischer Musik - ob in öffentlichen oder in kleineren Haus-Konzerten - standen Dia-Abende und Multivision-Shows, Vorträge und ganze Vortragsreihen, Ayurveda-Abende und Yoga-Darbietungen, viele Filme – ob klassisch oder aus Bollywood oder mit Indien-Bezug -, Ausstellungseröffnungen, regelmäßige Kunstexkursionen, Foto-Ausstellungen und sogar Karnevalsveranstaltungen im Vordergrund des Interesses. Unvergessen aus den ersten Jahren sind beispielhaft die Auftritte des Tanzpaares Raja und Radha Reddy, der Margi-Kathakali-Tanzgruppe, der Kuchipudi-Tänzer mit Vembhati Chinna Satyam, der Mayadhar Raut Gruppe mit Odissi-Tanz, des südindischen Tanztheaters mit Bharti Shivaji und des Tibetischen Tanz- und Musiktheaters aus Dharamsala sowie die Musik-Performance ME-DI-TA und die Konzerte mit der Flöten-Gruppe Kulkarni, mit Anant Lal, Shanai, mit Partha Chatterjee, Sitar, oder etwa mit John Handy, dem großen Jazz-Saxophonisten. In bleibender Erinnerung aus den ersten Jahren sind auch die Vortragsreihen über das heutige Indien, über dortige Stadtarchitekturen, über die Weltreligionen und insbesondere über deren Pilgerwege anläßlich der Heiligtumsfahrt 1993 in Aachen.
 
Aus den Tanzangeboten der über drei Jahrzehnte ragen heraus das Morungen-Projekt und das Masken-Tanz-Theater Yakshagana, die Bharatanatyam-Tänzer/innen Liza Purkait, Malavika Sarukkai, Sulakshana Jayaram und Meera Varghese sowe die großartigen Souraja Tagore, Milan Adhikari und Priya Venkataraman, die Kathak-Tänzerinnen Shila Mehta, Nandita Puri und die wunderbaren Pragati Sood Anand und Gauri Diwaka, die Odissi-Tänzerin Sangeeta Dash, das Kuchipudi-Tanzpaar Rao, die phantastische Uma Muralikrischna mit Kuchipudi-Tanz, nicht zu vergessen das Music Ensemble of Benares mit dem sehr erfolgreichen Kathak-Flamenco-Projekt, das anspruchsvolle Tanzdrama Chitrangada mit der Aachener Gruppe Nataradsch Natya Sangh, die schwungvolle Thar Rhythms-Gruppe, zuletzt mit ihrem Programm "Colours of India", diverse AISA-Tanzformationen, die Khatu Sapera Dance Company mit Tanz und Musik aus Rajasthan und Ravinder Singh Rangawul mit seinem phantastischen Bhangra-Ensemble.
 
Das Musikprogramm war sehr breit gefächert: Es reichte von der klassischen indischen Musik mit etwa Aasmaan The Endless und den Gesangskünstlern Ustad Mohamed Sayeed Khan, Sugat Marjit, Mouli Chakrabarti und den Gundecha Brothers, den Sitaristen Gaurav Mazumdar, Preetam Banerjee, Kushal Das, Purbayan Chatterjee, Biswabrata Chakrabarti, Debasish Ganguly, Indrajit Roy-Choudhury und Mita Nag, den Flötisten Ronu Majumdar, Stefanie Bosch und Dipak Sarma, den Violinisten Sukhdev Prasad Mishra, Indradeep Ghosh und Mysore Manjunath, den Sarod-Spielern Rajeeb Chakraborty, Ken Zuckerman, Tejendra Narayan Majumdar, Partho Sarathy und Ranajit Sengupta, der Gruppe ANUBHAB um den Tabla-Spieler Debasish Bhattacharjee, über den chinesischen Erhu-Künstler Jinming Dong, über die Klavierkonzerte mit dem Südafrikaner Surendra Reddy mit Romantik-Jazz, dem weltbekannten Sotirios Dimitriadis mit „Healing Music“, dem deutschen Pianisten Lutz Gerlach mit New World Music und der weltbekannten indischstämmigen Pianistin Sheila Arnold bis hin zu den sagenhaften Jazzkonzerten mit dem einzigartigen Percussionisten Trilok Gurtu und der Weltmusik mit der Band Indigo Masala - Acoustic Asian World Fusion. Dem Zeitgeist entsprechend gab es vor einigen Jahren auch einige sog. Indian Nights mit indischem Buffet, einem Konzert mit klassischer indischer Musik und einer anschließenden After Concert Party, bei der internationale DJ´s mit Bollywood, Desi-Remixes, Bhangra, Punjabi, Asian Dance und Goa Trance das Publikum anheizten. In den letzten Jahren fanden regelmäßig hochwertige Konzerte mit klassischer indischer Musik in der intimen Atmosphäre des Atelier 21 bei Ice el Macedon statt, immer mit unserem Mitglied Arup Sen Gupta an der Tabla und wechselnd mit vielen interessanten Musikern wie etwa Himangshu Nanda und Bhaskar Das, Bansuri Flöte, Carsten Wicke an der Rudra Veena, Manish Pingle mit seiner Indian Slide Guitar, Anupriya Deotale, Nordindische Geige, sowie den Sitaristen Ashim Chowdhury, Josh Feinberg, Hindol Deb und Subroto Roy Chowdhury, und schließlich den Sarod-Spielern Arnab Bhattacharya, Sougata Roy Cowdhery und Anupam Shobhakar. Unvergessen ist das Ghazal-Konzert mit Ritu Johri & Ensemble im Herbst 2019.   
 
Eine regelrechte Fan-Gemeinde in den 90-er Jahren und auch noch später einmal hatte der Musiker, Schauspieler und Sprechkünstler Dieter Grell, der unter dem Leitthema „Literatur erleben“ mit den Hesse-Stücken „Siddharta“, „Steppenwolf“ und „Narziß und Goldmund“ und Gibran’s Propheten die Zuhörer beeindruckte und begeisterte. Auch andere Protagonisten der Literaturszene waren in Aachen zu Gast: Der Schriftsteller Martin Kämpchen, der seit vielen, vielen Jahren in Santiniketan/Westbengalen bei einem Stamm der Santals lebt und sich in vielfältiger Weise um einen interkulturellen und interreligiösen Austausch sowie um alternative Entwicklungshilfe bemüht, der in Deutschland lebende Anant Kumar, der „Indien I: Süß“ und „Indien II: Sauer“ vorstellte, und auch der bekannte Autor Ilija Trojanow, der noch in Mumbai lebend über seine Lesungen aus seinen Büchern „An den inneren Ufern Indiens. Eine Reise entlang des Ganges“ und „Zu den heiligen Quellen des Islam“ tiefe Einblicke in die religiöse und politische Identität Indiens gab. Später stellte er seinen hochdekorierten Roman und Bestseller „Der Weltensammler“ und dann auch noch seinen Roman "Eistau" bei uns in Aachen vor. Klaus Stadtmüller rezitierte in Reimform "Rama und Sita in Nöten".        
 
Das Vortragswesen war vielfältig und umfangreich. Im Vordergrund standen Themen aus den Bereichen der indischen Religionen, der Pilgerwege, der Kunst und Architektur sowie landeskundliche und Reiseberichte, überwiegend, aber nicht nur aus Indien, etwa mit Peter Hufschmidt und zuletzt mehrmals mit Friedhelm Petrovitsch. Unser Mitglied Dr. Ronald A. Sequeira führte nicht nur in Aachen seit vielen Jahren einen monatlichen Philosophischen Gesprächskreis, er hielt auch immer wieder auf hohem Niveau sehr erfolgreiche Vorträge aus dem philosophischen und religionswissenschaftlichen Bereich. Aber auch Vorträge aus dem wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und technischen Bereich haben in Aachen ihren festen Platz, kein Wunder angesichts der guten Zusammenarbeit mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Die Feiern und Festvorträge anläßlich des jährlichen Republic Day of India hatten ihren ganz besonderen Stellenwert. In diesem Rahmen hielten beachtenswerte Vorträge u.a.:
 
Annemarie Schimmel (Islamische Literatur u.a.), Gisela Bonn (Indien heute), Herbert Fischer (Mahatma Gandhi), Helmut Uhlig (Seidenstraße), Michael Jansen (Frühe Stadtkulturen), Toni Hagen (Erlebtes Nepal), Susanne von der Heide (Königreich Mustang), Jana Dreikhausen (Auroville), Clemens Schwarzer (Sonnenenergie), Ronald Sequeira (Indische Philosophie, Indische Götter und Epen u.a.), Wolfgang Siepen (Buddhismus u.a.), Hans-Jürgen Findeis (Indische Religionen), Jürgen Jansen (Indien heute), Jan Pieper (Klosterarchitektur), Kurt Schetelig (Wissenschaftsaustausch), Helmut Breuer (EXPO 2000 u.a.), Heinrich-Dietrich Dieckmann (Indien heute u.a.), Dietrich Kebschull (Deutsch-Indische Zusammenarbeit), Heimo Richter (Weltmacht Indien), Hans-Joachim Kiderlen (Religionen in Indien), Martina Fromhold-Eisebith (Technologieregionen in Indien), Bernd Mützelburg (Indien als Partner), Jürgen Linden (Aachen in der globalisierten Welt), Kirstin Pukall (Indiens Reformen), Johannes Wamser (Investitionen in Indien), Gaurav Mehta ("Modi-Effekt" bei Indiens Landbevölkerung), Dirk Grabowski (Perspektiven der Deutsch-Indischen Zusammenarbeit), Werner Heesen (Religion und Marketing in Indien), Ernst Stöckl-Pukall (Industrie 4.0) und nochmals Michael Jansen (Indus Zivilisation). 
 
Einen besonderen Stellenwert haben die gut besuchten Deutsch-Indischen Studenten-Symposien in englischer Sprache, die einige Male in Zusammenarbeit mit der RWTH Aachen und AISA (Association of Indian Students in Aachen) durchgeführt wurden. Dabei ging es in Workshops um ganz praktische Fragen und Zukunftsperspektiven, die die hier lebenden indischen Studenten/Doktoranden, aber auch deutsche Studenten betrafen, die sich in Richtung Indien orientieren wollten. In den sich anschließenden Podiumsdiskussionen mit hochrangigen Gästen wurde jeweils die Entwicklung der deutsch-indischen (Wirtschafts-)Beziehungen in der Praxis behandelt.
 
Zurzeit sind etwa 1.500 indische Studenten in Aachen, mit denen wir über AISA wirklich gute und vertrauensvolle Kontakte unterhalten! Da ist es kein Wunder, dass wir uns seit längerem an den sehr großen Diwali-, jetzt UTSAV-Festen von AISA beteiligen. AISA und die indischen Studenten in Aachen nehmen überaus aktiv teil an unseren Indientagen, die bereits fünfmal stattfanden und an denen wir bei freiem Eintritt die indische Kultur allen Interessierten näher bringen wollen. "Ein Tag in Indien" oder "Aachen entdeckt Indien" mit großem Basar, viel Musik und Tanz, Bollywood, Vorstellung sozialer Projekte, Fotoausstellung, Henna malen, Saris anlegen und Turban binden, Yoga-Demonstrationen, Carrom spielen und indischer Küche waren immer ein großer Erfolg, zuletzt im Herbst 2019 in der KHG mit weit über 1.000 Gästen.
 
Erinnert werden soll auch an die großen Multivisionshows und Live-Reportagen von Bruno Baumann (Seidenstraße, Tibet, Buddhismus, Himalaya, Über alle Grenzen), Thomas Boenig (Goldenes Dreieck), Thomas Bäumel (Landwege nach und in Indien), Olaf Krüger (Süd- und Nordindien), Hartmut Fiebig (TRANS ARABIA), Kay Maeritz (Kailash-Colombo, Sri Lanka, Myanmar, Bali, Buddhistischer Himalaya, Laos & Kambodscha), Pascal Violo (Indien), interessante Stammtische, die vielfältigen Filmabende, hervorragende Reisefilme von Klaus Löwenstein (Seidenstraße, Südindien), Udo Flink (Rajasthan, Bhutan), Margret Wyndorps (Kumbh Mela, Äthiopien), Wolfram Hüttemann (Südwestafrika, Südamerika, Myanmar, Seidenstraße, Tansania, Nordindien), Wolfgang Dott und Jürgen Neuß zuletzt mit Impressionen aus Zentralchina, die früheren Grillfeste im Sommer, die Feste zu jahreszeitlichen oder religiösen Themen, erfolgreiche Modenschauen und überhaupt die vielen kleineren oder größeren Zusammenkünfte, bei denen über das Programm hinaus das Kennenlernen, der Gedankenaustausch, die Kommunikation über die Grenzen hinweg im Vordergrund standen.
 
Höhepunkte des gesellschaftlichen Lebens sind seit vielen Jahren die sommerlichen Empfänge anlässlich des Unabhängigkeitstages der Republik Indien im Hause Dr. Batra, bei denen viele Gäste aus der Wirtschaft und Politik auf die zahlreichen Mitglieder und Freunde der Aachener Gesellschaft treffen. Dazu zählen auch die traditionellen Jahresempfänge mit Festvorträgen im S-Forum der Sparkasse Aachen sowie auch einige Treffen mit Musik und Tanz im belgischen Schlößchen des international bekannten Malers Antonio Máro. Ganz besondere Highlights in der Geschichte der DIG Aachen waren die großen "Geburtstagsfeiern", zuletzt das 30-jährige Jubiläum im September 2019 im Aachener Rathaus.
 
2.
Neben der Kultur im weiteren Sinne und einem breit gefächerten, umfangreichen Programmangebot spielten die sozialen Aktivitäten immer eine besondere Rolle in der Aachener Gesellschaft. Wir meinen, dass zur Pflege der Beziehungen zwischen Indien und Deutschland, der ureigenen Aufgabe der Deutsch-Indischen Gesellschaft, auch die vorurteilsfreie Sicht aus einem Überfluß-Land wie Deutschland auf Indien gehört, das trotz aller riesigen Fortschritte auf dem Weg zur großen Industrienation in mancher Hinsicht immer noch Hilfe braucht. Auf der einen Seite Indien als großer Produzent und Exporteur für die Weltmärkte, riesiges Konsumland, aufstrebende Weltmacht - auf der anderen Seite der krasse Gegensatz dazu in der Realität: Viele Inder leben immer noch ohne ausreichende Zukunftsperspektiven, oder sind immer noch Analphabeten und haben kaum Bildungschancen, oder werden immer noch nicht oder nur unzureichend ärztlich versorgt. Viele Millionen Menschen auf dem Subkontinent brauchen deshalb nach wie vor Hilfe, insbesondere Hilfe zur Selbsthilfe, auch aus dem Ausland, auch von uns.
 
Sicherlich sollte bei jeder Hilfestellung der Maßstab der Verhältnisse vor Ort angelegt und insbesondere auch respektiert werden, daß das Leben dort in Südasien nach anderen Regeln als in Europa abläuft. Gerade deshalb sehen wir es als unsere Pflicht an, auch als bilaterale Gesellschaft unseren Beitrag zur Verbesserung der dortigen Lebensverhältnisse zu leisten. Diese Aufgabe haben wir sehr ernst genommen und geholfen, wo und wann immer wir dazu in der Lage waren.
 
Was haben wir im einzelnen getan? Hunderttausende von DM bzw. Euro haben wir aus den Einnahmen der Mitgliedsbeiträge, zusätzlichen Geldspenden und Zuweisungen von Geldbußen von Aachen aus für soziale Hilfsprojekte in Indien, aber auch in Nepal und Sri Lanka aufgebracht. Desweiteren wurden hier im Aachener Raum etliche tausend, besser zehntausende Brillen, Medikamente, medizinisches Hilfsgerät, Operationsmaterial u.a. in Kliniken, bei Ärzten, Apothekern und Optikern, bei vielen Menschen, die um unser Anliegen wissen und uns unterstützen, gesammelt. Alle diese Hilfsgüter sind durch Mitglieder unserer Gesellschaft persönlich oder mit Hilfe befreundeter Hilfsorganisationen nach Indien zu ausgewählten Adressaten verbracht worden. Einige Mitglieder unserer Gesellschaft haben sich auf eigene Kosten nach Indien in Krankenstationen und andere soziale Einrichtungen oder auch in Slums begeben, um dort - natürlich kostenlos - mitzuhelfen oder als Arzt Kranke zu versorgen und zu operieren. Eine ganze Reihe von Aachener MedizinstudentInnen und junge Leute nach dem Abitur vermittelten wir in Einrichtungen etwa in Indore und Kodaikanal sowie ins Projekt Asha Vihar nahe bei Bokaro Steel City, wo sie famulieren oder einfach nur helfen konnten.
 
Nicht unerwähnt bleiben soll unser beachtlicher Beitrag zur Linderung der gröbsten Not nach der schweren Erdbebenkatastrophe in Gujarat im Herbst 1993. Aber auch die Überlebenden des schweren Erdbebens im pakistanischen Kaschmir haben wir über das SOS-Kinderdorf in Muzzafarabad unterstützt. Tief betroffen von den Nachrichten und Bildern der furchtbaren Tsunami-Katastrophe Ende 2004 haben wir eine große Hilfsaktion für Südindien durchgeführt. Über Spendenaktionen in unserer Gesellschaft, in der Presse und im Zusammenhang mit mehreren Benefiz-Konzerten konnten wir die Hilfsmaßnahmen vor Ort nachhaltig, zeitnah und unbürokratisch unterstützen. Insgesamt gingen bei uns 42.549,30 € Spendengelder ein, die mit Hilfe der Daughters of Mary Immaculate (DMI) und der Missionaries of Mary Immaculate (MMI) in Chennai ohne jeden Abzug für die Tsunami-Opfer bei ersten Hilfsmaßnahmen und den sich anschließenden Hilfsmaßnahmen wie etwa Traumabewältigung, Verbesserung der medizinischen Versorgung und Kinderbetreuung eingesetzt wurden.
 
Hier eine Auflistung unserer derzeit wichtigsten Hilfsprojekte:
- Asha Vihar (Ort der Hoffnung)
Ganzheitliches Gesundheitsprojekt für die ländliche Bevölkerung in Jharkhand.
Schwerpunkte: Chinesische Akupunktur, Homöopathie, Ayurvedische Medizin, Kräutermedizin, Polio-Impfschutzprogramme Rehabilitationszentrum und Waisenhaus für behinderte und Not leidende Kinder
- Hilfe für Palani Hills/Südindien
Medizinische Betreuung der armen Dorfbevölkerung rund um Dindigul/Tamil Nadu
- Sani Zanskar
Schul- und Medizinisches Projekt im Zanskartal
- Society of Daughters of Mary Immaculate (DMI)
Berufsausbildungszentrum für junge Mädchen in Chembarambakkam/Tamil Nadu und Krankenstation in den Slums in Chennai
- FERRY
Berufsausbildungszentren für junge Frauen und Männer in Dörfern im Bereich Kolkata/Westbengalen
- Shanti Leprahilfe
Lepra- und Krankenstation mit Werkstätte und Waisenhaus in Kathmandu/Nepal
 
3.
Von Anfang an hat die Deutsch-Indische Gesellschaft Aachen enge Beziehungen zu der hiesigen Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule und zur Fachhochschule Aachen, aber auch zur Industrie- und Handelskammer sowie zur Handwerkskammer unterhalten, um die Wirtschaftskontakte sowie die wissenschaftlichen und technologischen Aktivitäten zwischen der Region Aachen und Indien zu fördern. Erleichtert wird diese Aufgabe dadurch, dass eine ganze Reihe von Mitgliedern der Gesellschaft aus dem Hochschulbereich kommen oder selbst  unternehmerische Kontakte nach Indien unterhalten. Regelmäßig macht auch der überörtliche Deutsch-Indische Unternehmer-Stammtisch Station in Aachen. Die Deutsch-Indische Handelskammer in Düsseldorf und die Indische Botschaft in Berlin sowie das Indische Generalkonsulat in Frankfurt helfen in allen Bereichen, in denen es um eine aktuelle Darstellung der guten deutsch-indischen Wirtschaftsbeziehungen geht; die Repräsentanten dieser Institutionen sind regelmäßig Gast bei unseren Veranstaltungen, wenn diese sich mit dem modernen Indien in einer globalisierten Welt und deren Verflechtungen mit Deutschland und unserer Region beschäftigen.
 
4.
Die erfolgreiche Arbeit der Deutsch-Indischen Gesellschaft Aachen als Mittlerin zwischen den Kulturen im hiesigen Raum und in Indien oder besser in ganz Asien wird ganz besonders belegt durch ein reges und regelmäßiges Reiseprogramm. Seit 1992 geht es immer wieder mit Gruppen hinaus nach Südasien oder in asiatische Gefilde, die über die Religionen oder über die alten Handelswege mit dem indischen Kulturkreis eng verbunden sind. Inzwischen werden aber auch wegen des großen Interesses Ziele außerhalb Asiens angesteuert. Eine Auflistung aller bisherigen Mitgliederreisen sowie die Reisepläne für die nächste Zeit finden sich unter der Rubrik "Reisen".
 
5.
Und im März 2020 wurde dann auch Aachen überrollt von der weltweiten Covid 19-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen in allen Bereichen des normalen Lebens. Sämtliche Veranstaltungen der Gesellschaft mussten erst einmal abgesagt werden. Wie und wann und in welchem Rahmen es im Programm weitergeht, ist derzeit (Stand Juli 2020) noch nicht abzusehen. Eins steht nur fest: Bald sind wir wieder mit viel Schwung voll dabei!

 

Fazit:
Indien und die guten deutsch-indischen Beziehungen sind ein ständiges Thema in der hiesigen Aachener Region. Dazu trägt bei die unermüdliche und aktive Arbeit der Deutsch-Indischen Gesellschaft e.V. Aachen. Möge diese bilaterale Gesellschaft die jetzige Corona-Krise gut überstehen und dann auch in der Zukunft weiterhin so vital und erfolgreich sein wie bisher!

 
Jürgen Franz